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Stadtteil-Bauernhof

Mit einer Karotte in der einen und Gurkenschalen in der anderen Hand beugt sich Hanna über das Gatter im Hasenstall. Dort sitzen drei wuschelige Hasen mit Schlappohren. Sie warten schon auf ihr Futter. Hanna ist mutig und streichelt ganz vorsichtig das Fell.

 

Es ist Samstagmorgen kurz nach zehn. Wir sind auf dem Stadtteil-Bauernhof in Bad Cannstatt. Wir, das sind an diesem Morgen Hanna, der kleine Moritz und ich. Hanna stapft mit ihren Gummistiefeln voraus während der Kleine in der Trage vor meinem Bauch schlummert.
Schon am Abend zuvor hatte ich beschlossen heute hierher auf den Bauernhof zu kommen. Ich war gespannt darauf, denn komischer Weise war ich noch nie hier obwohl der Hof nur 15 Minuten von uns zu Hause entfernt liegt.

Der Bauernhof

Durch ein großes Eingangstor betreten wir den Bauernhof. Die Sonne scheint. Es ist ein wunderbarer Herbsttag. Links steht das Farmhaus vor dem sich ein großer Platz mit vielen Tischen und Bänken auftut. Rechts neben dem Platz ist eine weitläufige Wiese. Ein Holzpferd mit Planwagen steht dort. Hanna will unbedingt Hopp Hopp auf dem Pferd machen und ich helfe ihr hinauf zu klettern.

 

Wir sind die ersten Besucher an diesem Morgen. Bald gesellen sich aber noch ein paar andere Kinder mit Eltern zu uns. Sie sind in etwa alle so alt wie Hanna, also zwischen zwei und vier Jahre alt. Eine FSJlerin, die hier ihr freiwilliges ökologisches Jahr absolviert, bereitet das Futter für die Tiere vor und fragt, ob die Kinder mit zum Füttern wollen. Gefüttert wird hier nämlich immer morgens so um 10.00 Uhr und abends eine Stunde bevor der Hof zumacht. Im Entenmarsch laufen die Kleinen hinter ihr her. Neugierig stecken sie ihre Köpfe in den Stall. Es ist herrlich zu sehen wie sie dem Mädchen lauschen und genau aufpassen wo das Futter hin darf und wo nicht. Mit Mini-Gieskannen ausgerüstet geht’s weiter in den Schafstall, um dort den Wassertrog aufzufüllen.

Gemeinsam mit der FSJlerin dürfen die Kinder die Tiere füttern.

 

Hanna ist ganz in ihrem Element. Sie nimmt kaum noch Notiz von mir und wackelt mit den anderen Kindern weiter in Richtung Ziegen- und Gänsestall. Dass die Gänse keine Karotten wollen, findet Hanna komisch. Immer wieder streckt sie ihnen die Möhre entgegen. Zu ihrer Überraschung essen die aber viel lieber Salat – eine Erkenntnis von der sie ihrem Papa noch ganz aufgeregt am Abend erzählen wird. Die Pferde hingegen findet Hanna nicht so interessant. Die sind ihr irgendwie zu groß. Und so geht’s für uns wieder zurück zu den Hasen.

Für die Enten gibt es Salat.

Während Hanna hin und her flitzt, schaue ich mir das Gelände genauer an. Es liegt wunderschön im Grünen. Streuobstwiesen grenzen an den Bauernhof. Auf der Anlage selbst befinden sich Wiesen- und Weideflächen und auch ein Hof eigener Garten. Es gibt sogar einen Reitplatz und einen Teich. Auch ein Fußballplatz, ein Backhaus und offene Feuerstellen sind da. Das Farmhaus selbst hat eine Werkstatt und eine kleine Küche.

Das Konzept

Der Stadtteil-Bauernhof war vor vielen Jahren wirklich ein ganz normaler Bauernhof, der dann aber irgendwann einmal nicht mehr rentabel war. Er sollte geschlossen werden. Viele Anwohner taten sich zusammen und gründeten einen Verein, um den Bauernhof zu erhalten. Sie kümmerten sich um die Tiere und die Anlage. Mittlerweile hat der Verein feste Mitarbeiter eingestellt und so ist der Bauernhof heute eine pädagogisch betreute Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit.
Kurz gesagt: Kinder und Jugendlich können hier täglich ohne Voranmeldung auf den Hof kommen um zu spielen, zu werkeln, zu gärtnern oder um Hütten zu bauen oder einfach um sich mit den Tieren zu beschäftigen. Die Auswahl an Aktivitäten ist groß. Auch Kochen oder Traktor fahren stehen auf dem Programm. Pädagogisch geschulte Betreuer sind immer vor Ort. Ab dem Alter von sechs Jahren dürfen die Kinder allein her kommen, darunter in Begleitung der Eltern.
In den kleinen Ferien bietet der Stadtteil-Bauernhof sogar ein Ferienprogramm für Grundschüler an. Im Link seht ihr wie man daran teilnehmen kann.
Außer dieser offenen Jugendbetreuung befindet sich auch noch ein Hort auf dem Stadtteil-Bauernhof, der ebenfalls ein Verein ist und von Eltern geführt wird. Bis zu zwanzig Kinder werden hier am Nachmittag von zwei Pädagoginnen betreut.

Für die Schafe haben die Kinder den Wassertrog aufgefüllt.

Für Familien

Es ist mittlerweile Mittag. Der Hof füllt sich nach und nach. Überall springen Kinder durch die Gegend. Sie rattern mit dem Bobbycar über den Hof und spielen Ball. Samstag ist hier Familientag. Ab dem Nachmittag bewirtet der Hof seine Gäste mit selbstgebackenem Kuchen und hofeigenen Produkten. Und außerdem findet jeden Samstag eine besondere Aktion statt. Heute wird Apfelsaft gepresst. Leider erleben wir das nicht mehr mit. Hanna ist von den vielen Eindrücken ganz schön platt und schläft noch auf dem Weg zum Auto auf meinem Arm ein.
Aber ich habe ihr versprochen ganz bald wieder hierher zu kommen. Und ganz ehrlich: Ich freue mich riesig darauf.

Info

Stadtteil-Bauernhof Bad Cannstatt
www.stadtteilbauernhof-stuttgart.de
In den Wannenäckern 27
70374 Stuttgart

Öffnungszeiten

April bis Oktober
In der Schulzeit: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag 10.00 bis 18.00 Uhr
In den Ferien: Montag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Samstag geschlossen

November bis März
In der Schulzeit: Dienstag bis Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr, Samstag 10.00 bis 17.00 Uhr
In den Ferien:  Montag bis Freitag 10.00 bis 17.00 Uhr, Samstag geschlossen

Anfahrt & Parken

Mit der Bahn ab Hbf
S2, S3 bis Haltestelle Nürnberger Straße oder Sommerrain

Mit dem Auto
Parkplätze in den Wannenäckern

 

 

 

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